Brasilien, wie alles begann!

(von Hans Koch)

Konzert-Tourneen der ORIGINAL SCHWARZWÄLDER HOCHWALD MUSIKANTEN
und das Treffen mit den Nachkommen des ausgewanderten Johann-Wilhelm Sauer


Gespannt habe ich meinem Vater zugehört, als er vor rund 60 Jahren vom „Sauer-Schang“ erzählte. Der ist als Witwer mit seinem zehnjährigen Sohn im Jahre 1901 nach Brasilien ausgewandert.
Von meiner Mutter wusste ich aus Erzählungen der Großmutter, wie die Konfelder Dorfgemeinschaft in einer Sonntagsmesse die beiden Auswanderer verabschiedete. Beide sind in eine ungewisse Zukunft nach Joinville in Brasilien im Staate Santa Catarina gereist.
Immer faszinierte mich die Lebensgeschichte und das Abenteuer der beiden Auswanderer. Dazu hat besonders ein Brief des Auswanderers vom 29.Mai 1910 an seine Schwester beigetragen. Der Brief liegt mir heute noch vor. Er ist in Sütterlin-Schrift geschrieben und von meinem Vater in die lateinische Schrift übertragen. „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen“ schilderte er seine Erregung beim Lesen und Schreiben der einmaligen Zeilen.


Erste konkrete Kontakte nach Brasilien


In der Vereinschronik der ORIGINAL SCHWARZWÄLDER HOCHWALD MUSIKANTEN habe ich als deren Geschäftsführer immer wieder den Namen des Vereinsgründers Johann-Wilhelm Sauer gelesen. Der Verein ist im Jahre 1887 von ihm und weiteren Musikbegeisterten gegründet worden. Durch meine Jugenderinnerung wurde ich des-halb besonders auf diesen „Sauer-Schang“ aufmerksam und neugierig.
Der Zufall wollte es, dass am 3.September 1989 ein brasilianischer Männerchor, der CORO MASCULINO aus Porto Alegre, bei einem Kurkonzert in Weiskirchen gastierte und mit unserem Verein zusammentraf.

Mit dem Leiter, dem deutschstämmigen Max Breuel aus Porto Alegre in Südbrasilien habe ich sehr persönlichen Kontakt geknüpft. Er ist ein liebenswerter und konsequenter Mensch. Er hat mir spontan versprochen, unverzüglich nach seiner Rückkehr nach den Nachkommen des „Sauer-Schang“ zu forschen. Aus dem Brief von 1910 wussten wir nur, dass der „Sauer-Schang“ als João Sauer in Brasilien eingebürgert wurde und viele Jahre in Joinville im Staate Santa Catarina wohnte. Aber irgendwann ist der Kontakt zu ihm abgerissen. Alle Bemühungen seiner hiesigen Verwandten, den Kontakt zu ihm   oder seiner Nachkommen wieder herzustellen, blieben erfolglos. Im Laufe der Zeit erlahmte schließlich das Nachforschen und man wusste nichts von seinem Schicksal und seinen Nachkommen.


Kontakt zu den Nachkommen wird hergestellt


Das Gastspiel des CORO MASCULINO beim Kurkonzert war ein Glücksfall für mich. Denn der besagte Max Breuel hielt seine Zusage und hat mit großem Erfolg nach den „Sauer-Schang“ –Nachkommen geforscht. Keine drei Monate nach diesem ersten Treffen erhielt ich den ersten Brief. Nach fast einem Jahrhundert der Ungewissheit erhielt ich die erfreuliche Nachricht, dass die Nachkommen der Familie Sauer in Brasilien gefunden wurden.
Das war ein weiterer Grund, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem brasilianischen Männerchor und den ORIGINAL SCHWARZWÄLDER HOCHWALD MUSIKANTEN zu intensivieren.

Diese Freundschaft gipfelte in einer Einladung nach Brasilien durch den Vorsitzenden des CORO MASCULINO, diesen agilen Max Breuel, der sich mit dem Auffinden der „Sauer-Schang“ –Nachkommen ganz besondere Verdienste erwarb.


1. Brasilien – Tournee 1991


Nach gründlicher Vorbereitung starteten dann die ORIGINAL SCHWARZWÄLDER HOCHWALD MUSIKANTEN im Jahre 1991 zu ihrer 1. Brasilien-Tournee. Eine Konzertreise nach Brasilien; es war ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.
„Mit Blasmusik auf Reisen“; unter diesem Motto traten die Musikanten die Reise nach Brasilien an. Eine sicherlich dankbare Verpflichtung, aber gewiss auch eine hohe Aufgabe für das Orchester.
Es hat mich sehr gefreut und ich war begeistert, dass der Vorstand mich mit den Planungen und Vorbereitungen für die Konzertreise beauftragt hatte. Es reizte mich; dieses interessante und wagemutige Unternehmen.


Erstes Treffen mit den Nachkommen in Brasilien


Das erstmalige Zusammentreffen mit den Nachkommen unseres Vereinsgründers war der Höhepunkt einer einmaligen Tournee, in der wir die Schwiegertochter unseres Vereinsgründers, Januaria Sauer, in unsere Arme schließen konnten. Vor Rührung und Aufregung brachten wir kaum ein Wort über die Lippen, als wir uns auf dem Flughafen in Curitiba gegenüberstanden.
Wir bereisten die Staaten Rio grande do Sul, Paraná und Santa Catarina. Wir sahen wirtschaftlich gutgestellte Betriebe und wohlhabende Deutsch-Brasilianer, konnten jedoch unsere Blicke den am Rande des Wohlstandes lebenden Menschen nicht verschließen.

Doch überall begegneten wir freundschaftlichen Menschen, die stolz darauf waren, mit den Menschen zu sprechen, die direkt aus Deutschland kamen. Wir waren beeindruckt von allem was wir gesehen haben und was wir auf dieser Reise erleben durften. Und noch heute ist in diesen Staaten die deutsche Kultur lebendig; noch immer wird sie von den Deutsch-Brasilianern intensiv gepflegt.


2. Konzert – Tournee nach Brasilien 1994


Dann war die offizielle Einladung der deutsch-brasilianischen Kulturvereinigung dafür ausschlaggebend, dass die ORIGINAL SCHWARZWÄLDER HOCHWALD MUSIKANTEN nach 1991 nochmals im Jahre 1994 nach Brasilien reisten, um die hohen Feierlichkeiten der 170-Jahr-Feiern der Einwanderungen aus dem deutschen Sprachraum musikalisch mitzugestalten.
Wir wurden mehr als freundschaftlich begrüßt und empfangen und wir hatten ein Gefühl, als ob wir hier „zu Hause“ wären.


Dokumentationen über die Tourneen nach Brasilien


Auf die Aufführung der vielen Konzerte und interessanten Reiseziele sowie Erlebnisse wird verzichtet, denn der Verfasser hat die ausführlichen Dokumentationen der 1.Konzert-Tournee mit „Brasilien – das besondere Erlebnis“ und der 2.Brasilienreise mit „Schwarzwälder Hochwald – via Brasil“ aufgelegt.
Außerdem sind die Dokumentationen, neben genauen Darstellungen mit vielem wissenswertem und umfangreichem Bildmaterial, als Ergänzung zur Vereinschronik gedacht.

Es hat alle Musikanten besonders erfreut, dass wir das Land Brasilien bereist haben und die Deutsch-Brasilianer mit unserer Musik erfreuen konnten.
Diese einmaligen Eindrücke werden wir nie vergessen.
Das Zustandekommen dieser Begegnungen soll eine nie endende Freundschaft zu den Deutsch-Brasilianern, insbesondere zu den Mitgliedern des CORO MASCULINO, bedeuten.
So sollen diese Erlebnisse nicht nur für die ehemaligen und derzeitig aktiven Musikerinnen und Musiker lebendig, sondern auch für die nachkommende Generation unvergessen bleiben.
So durften wir im Sept. 2001 den CORO MASCULINO anlässlich seiner 4. Deutschlandreise nach 1989, 1992 und 1997 wieder bei uns empfangen und beherbergen.


Die Nachkommen des „Sauer-Schang“ kommen erstmals nach Deutschland


Mit dem CORO MASCULINO aus Porto Alegre reisen die Nachkommen des Johann-Wilhelm Sauer erstmals in die Heimat ihrer Vorfahren.
Die Urenkelin Joséte schreibt: „Es ist und eine große Freude diesen Traum endlich zu verwirklichen.“
Sie kamen dann tatsächlich im September 2001 nach Deutschland; sie kamen zu uns.

Bei dem grandiosen, gemeinsamen Konzert des brasilianischen Männerchors und den ORIGINAL SCHWARZWÄLDER HOCHWALD MUSIKANTEN in der Hochwaldhalle in Weiskirchen stand das freudige Wiedersehen natürlich im Mittelpunkt.

Joséte schildert weiter: „Es war eine unbeschreibliche Freude, als wir den Anruf erhielten mit der Information, dass wir hier in Weiskirchen Verwandte haben. Unsere Erregung steigerte sich mit jedem neuen Brief, denn jeder brachte neue Auskünfte über Deutschland und über euch alle.“

Aus Dankbarkeit und zur Erinnerung an den Auswanderer gab die Urenkelin Joséte ihrem Sohn den Namen „João-Guilherme“ (Johann-Wilhelm).

Der saarländische Rundfunk zeichnete das gemeinsame Konzert auf, und auch eine Sendung im Hörfunkprogramm der Saarlandwelle mit dem Motto: „Vom Hochwald an den Zuckerhut“ würdigte das besondere Ereignis.

Die faszinierende Geschichte, das Wiedersehen mit den Nachkommen des „Sauer-Schang“ nach hundert Jahren (1901-2001) und eine tiefempfundene Herzlichkeit besiegelt eine einmalige, nie endende deutsch-brasilianische Freundschaft.
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